
Tillmann Peeters
Falkensteg Restructuring GmbH
Partner, Management Board
Kunststoffverarbeitung

Ein süddeutscher Kunststoff-Spritzgussspezialist erwirtschaftete 2024 ein negatives EBITDA von -2,3 Mio. EUR bei einer strukturell zu hohen Materialeinsatzquote von 56,5 Prozent. Falkensteg identifizierte die Verlustursachen nicht im Markt, sondern in nicht umgesetzten operativen Hebeln und überführte vier Maßnahmen, Materialkreislauf, Bestandsabbau, Reshoring und Energieeffizienz, konsequent in die Umsetzung. Innerhalb von sechs Monaten erreichte das Unternehmen ein ausgeglichenes EBITDA, ohne nennenswerten Investitionsbedarf. Der Fall zeigt eine in der deutschen Kunststoffverarbeitung verbreitete Konstellation: Die Sanierungshebel sind bekannt. Entscheidend ist jedoch die konsequente Umsetzung.

Analyse

Starke Abhängigkeit von wenigen Schlüsselkunden ohne ausreichende Diversifikation.

Gestiegene Rohstoff- und Energiekosten wurden nicht an die Kunden weitergegeben.

Umfangreiche Fremdvergabe schwächte Marge und Auslastung am eigenen Standort.

Überhöhte Lagerbestände und extern angemietete Flächen banden Liquidität und erhöhten die Fixkostenbasis.
Die Verlustursachen lagen nicht primär im Marktumfeld, sondern in einer Unternehmensstruktur, die operative Schwächen über Jahre unbearbeitet gelassen hatte. Die Probleme waren intern bekannt. An der konsequenten Umsetzung von Gegenmaßnahmen hatte es bislang gefehlt.
Die zentrale Herausforderung war nicht analytischer, sondern umsetzungsbezogener Natur. Operative Routine, gewachsene Lieferantenbeziehungen und interne Widerstände hatten verhindert, dass technisch bekannte Verbesserungspotenziale realisiert wurden. Hinzu kam Zeitdruck: Ein anhaltend negatives EBITDA gefährdet bei einem Unternehmen dieser Größenordnung die Finanzierungsfähigkeit. Gefordert war daher ein Turnaround, der kurzfristig ergebnis- und liquiditätswirksam ist, ohne Investitionsprogramme oder eine strategische Neuausrichtung vorauszusetzen.
Falkensteg analysierte das Unternehmen entlang branchentypischer Schwachstellen der Spritzgussfertigung: Materialverbrauch und Rezyklatpotenzial, Maschinenauslastung und Anfahrverluste, Druckluftverbrauch, Energielastprofil sowie Umfang und Kosten der externen Vergabe.
Das Ergebnis war eindeutig: Die entscheidenden Verbesserungspotenziale erforderten weder Investitionsprogramme noch eine strategische Neuausrichtung. Sie lagen in vier operativen Maßnahmen, die technisch bekannt, im laufenden Betrieb aber nicht konsequent umgesetzt waren.

Umsetzung der Sanierung
Dieser Fall ist kein Einzelfall. Er steht für eine Konstellation, die in der deutschen Kunststoffverarbeitung verbreitet ist: ein Unternehmen mit funktionsfähigem Kerngeschäft, das über Jahre strukturelle Schwächen akkumuliert hat, ohne sie zu beheben. Operative Routine, interne Widerstände oder fehlende externe Impulse hatten die Umsetzung verhindert.
Die entscheidende Frage in solchen Situationen ist nicht, ob die Hebel bekannt sind. Sie sind es meistens. Die Frage ist, ob jemand die Umsetzung konsequent durchzieht.
Übertragbare Erkenntnisse für vergleichbare Sondersituationen: