WiWo: „Die Krise der Autoindustrie schickt viele Maschinenbauer in die Insolvenz“

Falkensteg-Insolvenzanalyse: Nach Anstieg in 2024 erwarten Experten weitere Steigerung um 20 Prozent im laufenden Jahr

Innovation trifft Krise: Die Hannover Messe startet, während es im Maschinenbau rappelt. Der Branche drohen weniger Aufträge – und mehr Pleiten, wie die Analyse zu den Großinsolvenzen der Unternehmensberatung Falkensteg zeigt. Nach einem dramatischen Anstieg im Jahr 2024 verzeichneten beide Sektoren im ersten Quartal 2025 eine kurze Verschnaufpause. Im Maschinenbau lag die Zahl der Insolvenzen in den ersten drei Monaten 2025 bei fünf Fällen und blieb damit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum konstant. Die Metallwarenbranche verbuchte einen leichten Aufwärtstrend der Insolvenzen zum Vorjahr von acht auf zehn. Falkensteg untersucht Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 10 Millionen Euro. Den kompletten Artikel „Die Krise der Autoindustrie schickt viele Maschinenbauer in die Insolvenz“ lesen Sie auf wiwo.de

„Die Maschinenbau- und Metallwarenbranche steckt wie ein Schiff in stürmischer See. Nach der Flutwelle 2024 erleben wir gerade die trügerische Ruhe vor dem nächsten Sturm im laufenden Jahr“, warnt Sebastian Wilde, Partner bei der Unternehmensberatung Falkensteg. „Ab dem zweiten Quartal werden die Jahresabschlüsse erstellt, und dann wird es mit der Bankenkommunikation schwieriger, wenn die schlechten Jahresabschlüsse des Vorjahres vorliegen. Typischerweise liegen die Insolvenzzahlen im ersten Quartal niedriger als in den folgenden Quartalen“.

Rekordanstieg der Insolvenzen im Gesamtjahr 2024 - Krise in der Automobilindustrie schickt viele Maschinenbauer in die Insolvenz

Im Gesamtjahr 2024 stiegen die Insolvenzen gegenüber dem Vorjahr im Maschinenbau um 33 Prozent auf 32 Fälle. Bei Metallwarenherstellern war der Anstieg mit 71 Prozent auf 48 Fälle noch dramatischer. Im Durchschnitt verzeichnete der Maschinenbau acht Insolvenzen pro Quartal, bei den Metallwarenherstellern lag der Quartalsdurchschnitt bei zwölf.

Besonders das vierte Quartal 2024 zeigte einen sprunghaften Anstieg, als 24 Metallwarenhersteller und 12 Maschinenbauer Insolvenzanträge stellen mussten. „Vor allem die Krise in der Automobilindustrie schickt viele Maschinenbauer in die Insolvenz“, betont Wilde.

Ausblick 2025: Weitere Steigerung um 20 Prozent realistisch

Die Aussichten für das laufende Jahr bleiben weiter ernüchternd. Die deutsche Maschinenbauproduktion, die 2024 bereits um 5,7 Prozent schrumpfte, wird nach Experteneinschätzungen 2025 um weitere 0,6 Prozent zurückgehen. Diese Prognose steht im Kontrast zur globalen Entwicklung, für die ein Wachstum von 3,6 Prozent erwartet wird, getrieben von den USA und dem asiatisch-pazifischen Raum. „Eine weitere Steigerung der Insolvenzen um 20 Prozent ist realistisch“, prognostiziert Wilde. „Die bestehenden Unsicherheiten durch die US-Administration, aufkommende Zölle und schwächelnde Absatzmärkte erschweren eine positive Prognose.“

Drei zentrale Maßnahmen für Unternehmen in der Krise

Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten benötigen strategische Antworten auf die aktuellen Herausforderungen. Sebastian Wilde, Sanierungsexperte bei Falkensteg, betont deren Notwendigkeit vor allem bei der Vorbereitung auf Bankengespräche. „Unternehmen sollten verschiedene Szenarien vorbereiten, insbesondere im Hinblick auf die globale Marktlage, etwa in der Automobilindustrie“, erklärt Wilde. Eine nach unten sensibilisierte Planung sei entscheidend, um alle Risiken – von geopolitischen Spannungen bis hin zu Handelszöllen – realistisch abzubilden.

Ein weiterer Fokus liege auf dem aktiven Working Capital Management. Durch striktes Forderungs- und Vorratsmanagement, die umgehende Klärung von Reklamationen, insbesondere im Maschinenbau sowie die Überprüfung und Nachverhandlung von Zahlungszielen könnten Unternehmen ihre Liquidität signifikant verbessern. „Jeder Euro, der im Umlaufvermögen gebunden ist, fehlt bei der Krisenbewältigung“, so Wilde.

Zudem rät der Experte zu einer dynamischen Szenarioplanung. Die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie und dem Ukrainekrieg hätten gezeigt, wie schnell Märkte kippen können. „Unternehmen müssen heute Worst-Case-Szenarien genauso einpreisen wie realistische Prognosen – nur so bleiben sie handlungsfähig“, betont er.
Dabei hat Wilde vor allem kleine und mittlere Unternehmen im Blick: „Vielen Mittelständlern fehlen die finanziellen Puffer, um längere Durststrecken zu überstehen. Ohne klare Krisenstrategie droht hier eine Pleitewelle.“

Socials